Ökumenische Trauung: Voraussetzungen, Ablauf und Tipps zur ökumenischen Eheschließung

Möchten Sie kirchlich heiraten, haben aber eine andere christliche Konfession als Ihr künftiger Ehegatte, besteht für Sie die Möglichkeit einer ökumenischen Trauung. Abgeleitet vom altgriechischen Oikumene („Erdkreis“), entstand die ökumenische Bewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts in örtlichen Arbeitsgruppen der christlichen Kirche. Sie hat sich der globalen Zusammenarbeit der Protestanten und Katholiken verschrieben und ermöglicht in diesem Zusammenhang Brautpaaren mit unterschiedlicher Kirchenangehörigkeit eine Trauung mit Gottes Segen. Dabei ist das Instrument der ökumenischen Trauung im Kirchenrecht nicht festgeschrieben. Vielmehr handelt es sich um eine katholische oder eine evangelische Trauung, bei der entsprechend ein evangelischer Pfarrer oder katholischer Priester zur Mitwirkung herangezogen werden.


Was ist eine ökumenische Trauung?

Dank einer ökumenischen Trauung wird Brautpaaren mit unterschiedlicher christlicher Konfession eine kirchliche Hochzeit ermöglicht.


Seit wann gibt es die ökumenische Trauung?

Seit gut einhundert Jahren kann ein Brautpaar mit unterschiedlicher christlicher Konfession eine kirchliche Trauung vornehmen lassen.


Was sind die Voraussetzungen für eine ökumenische Trauung?

Die Voraussetzungen für eine ökumenische Trauung sind abhängig davon, ob die Trauung als katholischer oder evangelischer Gottesdienst abgehalten wird. Grundsätzlich muss einer der Partner Mitglied in der Kirche sein.


Darf jeder in der Kirche heiraten?

Ökumenische Trauung: Voraussetzungen, Ablauf und Tipps zur ökumenischen Eheschließung
Um in einer Kirche zu heiraten, muss einer der Eheleute Mitglied einer christlichen Glaubensgemeinschaft sein.

Sie planen, Ihrem Partner bei einem christlichen Gottesdienst das Ja-Wort zu geben und den Segen der Kirche zu empfangen? Ob Sie einer ökumenischen Hochzeit, einer rein evangelischen oder katholischen Trauung den Vorzug geben – in jedem Fall müssen Sie oder Ihr Partner Mitglied der christlichen Glaubensgemeinschaft sein. Darüber hinaus stellen die katholische und evangelische Kirche jeweils eigene Bedingungen an ein Brautpaar, das den kirchlichen Segen empfangen möchte:

Können Sie als Katholik einen Atheisten kirchlich heiraten?

  • Die katholische Kirche ermöglicht Ihnen als Katholik auch dann einen Traugottesdienst, ist Ihr Partner nicht getauft. Er muss allerdings seine Gottgläubigkeit bestätigen. Darüber hinaus müssen Sie beide das Versprechen abgeben, Ihr Kinder taufen zu lassen und im katholischen Glauben zu erziehen.
  • In der evangelischen Kirche entscheidet der Pastor Ihrer Gemeinde über die Möglichkeit einer Heirat ohne Taufe Ihres Partners. Bei einem zustimmenden Bescheid stehen die Optionen einer regulären evangelischen Eheschließung oder eines “Gottesdienstes anlässlich einer Eheschließung” zur Wahl.

Tipp! Erwachsenen-Taufe möglich: Möchten Sie nicht ohne Taufe kirchlich heiraten, können Sie sich vor Ihrer Heirat auch als Erwachsener noch taufen lassen.

Können Sie als Protestant katholisch heiraten?

Wiedereintritt möglich
Möchten Sie kirchlich heiraten, obwohl keiner von Ihnen Mitglied in einer christlichen Glaubensgemeinschaft ist, können Sie jederzeit einen Antrag auf eine Erstaufnahme oder einen Wiedereintritt stellen.
  • Möchten Sie evangelisch heiraten, ist aber einer von Ihnen katholischen Glaubens, ist dies seitens der evangelischen Kirche kein Problem. Sie müssen jedoch für eine Anerkennung durch die katholische Kirche im Vorfeld beim zuständigen katholischen Pfarrer das Einverständnis zur Trauung einholen.
  • Auch vor einer Zeremonie in der katholischen Kirche muss die Zustimmung seitens der Kirche erfolgen. Liegt dieser Dispens vor, stehen auch einem katholischen Wortgottesdienst die unterschiedlichen Konfessionen nicht im Wege.
  • Sind Sie beide konfessionslos, möchten aber nicht auf eine kirchliche Trauung verzichten, können Sie in einer entweihten oder freien Kirche Ihre Eheschließung vornehmen. In diesen Gotteshäusern werden keine offiziellen Messen mehr gepredigt, die Gebäude stehen Ihnen aber für Ihre Hochzeitszeremonie offen. Sie ersetzt allerdings weder die kirchenrechtliche noch die standesamtliche Trauung. Mit einer ausschließlich symbolischen Trauung in einer freien Kirche sind Sie demnach vor dem Gesetz nicht verheiratet.

Können Sie als homosexuelles Paar kirchlich heiraten?

  • Evangelische Trauung: Grundsätzlich können Sie sich in Deutschland auch als homosexuelles Paar von einem Pfarrer segnen lassen, ist mindestens einer von Ihnen Mitglied in der Kirche. Über den Ablauf des Gottesdienstes entscheidet der Geistliche Ihrer Gemeinde. Möchte dieser die Segnung nicht persönlich vornehmen, steht es Ihnen frei, sich an einen anderen Pfarrer zu wenden.
  • Katholische Trauung: Noch immer verweigert die katholische Kirche homosexuellen Katholiken ihren Segen. Allerdings fordert das Zentralkomitee der deutschen Katholiken die Möglichkeit einer kirchlichen Trauung auch für schwule und lesbische Partner.

Ist es möglich, mehrmals kirchlich zu heiraten?

  • Gesetzlich: Ein Standesbeamter verheiratet Sie auf Wunsch jederzeit wieder, sofern Ihre Ehen rechtskräftig geschieden wurden.
  • Protestantischer Glaube: Nach evangelischem Kirchenrecht können Sie auch als geschiedene Braut oder Bräutigam beliebig häufig kirchlich heiraten, sofern einer von Ihnen in der evangelischen Kirche Mitglied ist. So können Sie auch dann evangelisch heiraten, waren Sie bereits einmal katholisch verheiratet oder sind Sie katholischen Glaubens.
  • Katholische Kirche: Für die katholische Kirche ist eine Eheschließung ein heiliges Sakrament. Hier ist eine erneute Trauung nur möglich, wird Ihnen eine Annullierung oder Auflösung Ihrer ersten Ehe gestattet.

Für eine rechtskräftige Eheschließung auch standesamtlich heiraten: Seit 2009 müssen Sie in Deutschland für eine kirchlichen Trauung nicht mehr auch auf dem Standesamt heiraten. Allerdings ist eine reich kirchliche Vermählung vor dem Gesetz nicht rechtsgültig.

Was bringt es, kirchlich zu heiraten?

Sie sind sich noch unschlüssig, ob Sie nur standesamtlich oder auch kirchlich heiraten möchten? Für viele Brautpaare hält eine kirchliche Trauung Aspekte parat, die ihnen ohne Segnung durch einen Geistlichen verwehrt wären:

  • Besinnlicher Rahmen für die Hochzeit
  • Gottes Segen als wohlwollendes Zeichen für die gemeinsame Zukunft
  • Beziehung wird durch starke Bande gefestigt
  • Christliche Erziehung der Kinder einfacher zu erklären

Was bedeutet eine ökumenische Hochzeit?

Wahlrecht bei einer orthodox-katholischen Trauung
Gehört einer von Ihnen der orthodox-katholischen Glaubensrichtung an, haben Sie die Wahl zwischen einer orthodoxen Eheschließung durch einen orthodoxen und einer katholischen Trauung durch einen katholischen Priester.

Sind Sie beide christlichen Glaubens, allerdings Angehörige unterschiedlicher Konfessionen, können Sie einen ökumenischen Trauungs-Gottesdienst in Anspruch nehmen. Dabei wird der Begriff der Ökumene zwar im allgemeinen Sprachgebrauch verwendet. Im Sinne der Gleichberechtigung beider Kirchen existiert eine ökumenische Eheschließung allerdings nicht. Möchten Sie eine ökumenische Ehe eingehen, müssen Sie sich zwischen einem evangelischen und katholischen Gottesdienst entscheiden. Der Geistliche der jeweils anderen Glaubensrichtung wird zur Segnung unterstützend hinzugezogen.

Selbst bei einer Entscheidung für eine evangelische Zeremonie müssen Sie ein Vorbereitungsgespräch mit einem katholischen Geistlichen führen. Dieser beantragt im Anschluss eine Dispens der katholischen Form einer Eheschließung. Nur so erkennt die katholische Kirche Ihre in einem evangelischen Gotteshaus geschlossene Ehe an. 

Wie läuft eine ökumenische Trauung ab?

Der genaue Ablauf Ihrer ökumenische Eheschließung richtet sich nach Ihrer priorisierten Konfession. Der verantwortliche Geistliche führt durch die Trauung, der Pfarrer oder Priester des anderen christlichen Glaubens darf sich jederzeit einbringen.

Vor Ihrer Heirat führen Sie mit den Geistlichen zwei oder drei Traugespräche. Hier können Sie offene Fragen zum Ablauf der Hochzeit klären und gemeinsam die Planung vornehmen. Sie haben die Möglichkeit, sich das Verlesen bestimmter Texte oder Fürbitten zu wünschen. Oder nach Tipps für die passenden Lieder bei einer ökumenischen Trauung zu fragen. Der Erfahrungsschatz der trauenden Geistlichen ist in der Regel groß, und Sie können sich auf die Hinweise verlassen.

Ökumenisch heiraten in einer evangelischen Kirche

Der folgende Ablauf einer ökumenischen Trauung erwartet Sie bei einer Eheschließung in einer evangelischen Kirche:

  • Der Pfarrer begrüßt Sie vor dem Eingang
  • Einzug in die Kirche unter Orgelklängen
  • Begrüßung durch den Pfarrer
  • Eingangspsalm, gemeinsames Lied, Eingangsgebet
  • Predigt zum gewählten Trauspruch
  • Weitere Lieder, Orgelmusik
  • Lesungen, Gebete
  • Beantwortung der Traufrage, Ringwechsel und kirchlicher Segen
  • Fürbitten, Vaterunser
  • Übergabe der Traubibel
  • Segen an die Gemeinschaft, Verlassen der Kirche

Ökumenisch heiraten in einer katholischen Kirche

Ökumenische Trauung: Voraussetzungen, Ablauf und Tipps zur ökumenischen Eheschließung
Der Ablauf einer Eucharistiefeier ist in der Messordnung geregelt.

Bei einer rein katholischen Hochzeit können Sie sich als Brautpaar auch für eine Eucharistiefeier entscheiden; der Ablauf einer ökumenischen Trauung in einer katholischen Kirche erfolgt immer als Wortgottesdienst:

  • Der Priester empfängt Sie vor der Kirche
  • Einzug unter Orgelmusik
  • Eröffnungsgebet, Begrüßung, Überleitung zum Gottesdienst
  • Kyrie, Gebet, Lesungen mit Gesängen
  • Ansprache des Priesters
  • Beantwortung der Traufragen, Segnung der Ringe, Abnahme des Trauversprechens, Bestätigung Ihrer Vermählung
  • Feierlicher Trauungssegen, Fürbitten, Vaterunser
  • Schlussgebet, Lied zum Dank
  • Unterzeichnung der Dokumente der ökumenischen Trauung
  • Auszug aus der Kirche

Ökumenische Trauung nach Formular C

Ist einer von Ihnen römisch-katholischen und der Andere evangelischen Glaubens, bietet das Gebiet des ehemaligen Landes Baden die Möglichkeit einer ökumenischen Trauung nach Formular C. Hier wird der Gottesdienst gleichberechtigt von einem römisch-katholischen und einem evangelischen Geistlichen nach einem speziell entworfenen Ablauf durchgeführt:

  • Der Gottesdienst beginnt mit einem Lied, Begrüßung der Gäste und Gebetstext
  • Schriftlesung und Traufrage
  • Konsenserklärung, Segnung
  • Gebet, Vaterunser, Übergabe der Traubibel
  • Erneuter Segen, Einträge der ökumenischen Eheschließung in die Kirchenbücher

Was wird für die ökumenische Trauung benötigt?

Kosten einer ökumenischen Trauung
Die finanziellen Aufwendungen für Ihre Trauung berechnen sich nach Ihrer gewählten Kirche. Beziehen Sie aber auch die Ausstellung der genannten Dokumente, Kosten für Dekorationsgegenstände oder Spenden an die Musiker mit in Ihr geplantes Budget ein.

Unabhängig davon, welcher Konfession Sie bei Ihrer ökumenischen Trauung den Vorzug geben, benötigen Sie zur Anmeldung Ihrer Eheschließung größtenteils identische Unterlagen. Einzig das Dispens der katholischen Kirche muss bei einer evangelischen Vermählung den anderen Dokumenten zugefügt werden.

  • Personalausweis oder Reisepass (jeweils)
  • Taufbescheinigung (mindestens einer von Ihnen)
  • Nachweis zum Familienstand (ledig oder geschieden)
  • Konfirmations- oder Firmungsurkunde (keine Voraussetzung)
  • Aufgebots-Bescheinigung (nur noch bei kirchlichen Hochzeiten erwünscht)
  • Dispens (zur Anerkennung durch die katholische Kirche)

Kindererziehung nach einer ökumenischen Trauung

Der Einfluss einer ökumenischen Trauung auf die Kindererziehung hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Forderte die katholische Kirche bis vor Kurzem nach einer ökumenischen Trauung eine Kindererziehung im Sinne der katholischen Kirche, zieht eine ökumenische Trauung inzwischen nicht mehr automatisch eine Taufe der gemeinsamen Kinder nach katholischem Glauben nach sich.

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